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Wie geht „Zukunftsbild“ im pastoralen Raum? - In Modellprojekten die pastorale Zukunft gestalten

Nehmen Sie am Studientag teil

In einem Studientag am 23.06.2016 (09.30 – 16.00 Uhr, Haus Maria Immaculata, Paderborn) werden die bisherigen Ergebnisse und Erkenntnisse als auch weitere Ideen zum Projektverlauf und zur Umsetzung beider Modellprojekte ausführlich vorgestellt und pastoraltheologisch vertieft.

Interessierte aus der pastoralen Praxis sind dazu herzlich eingeladen.

Auch die Zwischenberichte zu den Modellprojekten sind bei Interesse erhältlich.

Anmeldung und Zwischenberichte unter

Erzbischöfliches Generalvikariat, Pastorale Dienste, Julia Fisching-Wirth
05251 / 125-1651 oder julia.fischingwirth@erzbistum-paderborn.de

Zum Projekt Netzwerk gibt es inzwischen auch einen Bericht des Zentrums für angewandte Pastoralforschung (ZAP) in Bochum:

http://www.zap-bochum.de/content/ZAP-Studie-Netzwerk-I.pdf

Logo des Zukunftsbildes im Erzbistum Paderborn pdp Um zentrale Anliegen des Zukunftsbildes mit Leben zu füllen, wurden Modellprojekte auf den Weg gebracht. Es geht darum, konkrete Gestaltungsmöglichkeiten und zukunftsweisende Bedingungen in der Praxis der pastoralen Räume zu erkunden und zu erproben.

In Zusammenarbeit mit dem „Zentrum für angewandte Pastoralforschung“ in Bochum (ZAP) unter der Leitung von Prof. Dr. Matthias Sellmann gingen 2014 zwei Modellprojekte an den Start:

  • „Taufberufung als Referenzgröße zukunftsweisender Bistumsentwicklung“
  • „Pastoraler Raum als Netzwerk – Netzwerksteuerung im Pastoralen Raum“

Nun liegen für beide Projekte Zwischenberichte vor, die erste Erfahrungen und Erkenntnisse vorlegen.

Hier finden Sie Zwischenberichte zu den Modellprojekten

„Pastoraler Raum als Netzwerk – Netzwerksteuerung im Pastoralen Raum“

und

„Taufberufung als Referenzgröße zukunftsweisender Bistumsentwicklung“

 

 


„Pastoraler Raum als Netzwerk – Netzwerksteuerung im Pastoralen Raum“

Den Ausgangspunkt bildeten folgende Fragestellungen:

Wie kann ein pastoraler Raum als Netzwerk gestaltet und moderiert werden? Wie kann Engagement der Menschen in den Sozialräumen gefördert werden? Wie kann der Raum zum „Ermöglichungsraum“ werden für die vielfältigen Gaben und Begabungen der Menschen? Wie können pastorale Themen über Netzwerkaktivierungen bewegt und bearbeitet werden? Wie verändert sich das Agieren eines Pastoralteams in einer Netzwerkstruktur?

In einem ersten Schritt wurde im Pastoralen Raum St. Johannes Baptist Neheim und Voßwinkel beispielhaft ein Netzwerk gehoben zur Arbeit mit kranken Menschen. Miriam Zimmer, wissenschaftliche Mitarbeiterin am ZAP, führte vor Ort insgesamt 19 Interviews, erfasste ca. 70 Akteure, die sich in über 200 Netzwerkknoten engagieren. In einer Grafik wird dieses thematische Netzwerk anschaulich. Der soziale Raum bildet hierbei den natürlichen pastoralen Rahmen für das vielfältige Engagement der Menschen, Gruppen und Organisationen.

Mit wem muss man sprechen? Vernetz denken macht Netzwerke möglich

Erste Erkenntnisse zur Netzwerkdynamik waren auf dieser Grundlage nun möglich, die in dem vorliegenden Zwischenbericht skizziert werden. Es wird zum Beispiel anschaulich, wie neue Kooperationspartner in den Blick geraten, wenn man konsequent in Netzwerken denkt. Man konzentriert sich nicht mehr nur auf den kirchlichen „Binnenbereich“, sondern öffnet sich auf den ganzen Sozialraum hin, der vielfältige Kooperationsmöglichkeiten bereithält.

In dem Zwischenbericht werden Merkmale eines Netzwerkes gezeichnet, die deutlich über die üblichen pfarrgemeindlichen Denk- und Handlungsmuster hinausweisen. Netzwerke leben über eine Vielzahl von Zentren und Knotenpunkten mit jeweils eigenen Ausprägungen, auch bei den Formen des Engagements. Die sozialen Beziehungen können dabei unterschiedlich stark oder auch schwach gestaltet werden.

Eine Zentrale macht im Netzwerk keinen Sinn – im Netzwerk gibt es viele Zentren

Eine Steuerung des Pastoralen Raums über Netzwerke funktioniert nur dann, wenn Pastoral nicht mehr nur von einer „Zentrale“ ausgeht, von der aus Hauptamtliche „flächendeckend“ alle versorgen wollen. „Ein Netzwerk hat viele Zentren“, so der Zwischenbericht. Aufgabe der Hauptamtlichen sei es daher, den Pastoralen Raum so zu steuern und zu modellieren, dass sich vielfältige Formen des Engagements in eigenständigen Zellen und Knotenpunkten ereignen können. Eine radikale Wende sei notwendig, um die Pastoral in diese Richtung zu verändern: „Die Rollen, die Routinen, die wechselseitigen Erwartungen, auch die amtstheologischen und ekklesiologischen Denkgewohnheiten werden und müssen sich wandeln.“ Es ist die Wende von einem priester- und versorgungszentrierten Bild zu einem offen gedachten Bild einer Kirche, die als Volk Gottes vielfältig Trägerin der Seelsorge ist und mit dieser offenen Energie auf die Menschen und ihre Lebenssituationen hin wirken will. Hier muss vor allem befähigt und ermöglicht und nur wenig reguliert werden.

Fördern und begleiten ist wichtiger als kontrollieren und regulieren

Vor diesem Hintergrund werden Kompetenzen erkennbar, z. B. für die pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Pastoralteams und Einrichtungen, um Netzwerke und Themengestaltungen zu „modellieren“. Spezifische Netzwerkrollen, Kooperationsmotive und Tätigkeitsmerkmale werden auf dieser ersten Erhebungsgrundlage beschreibbar.

Der Bericht liefert auch spannende Erkenntnisse zum erhobenen Netzwerkthema. Welches Verständnis von Krankheit dominiert in diesem Netzwerk und welche Bilder und Rollen prägen dieses pastorale und soziale Engagement.

Im weiteren Projektverlauf sollen nun die bisherigen Erkenntnisse durch eine weiter Ergebung in einem anderen Pastoralen Raum überprüft, abgesichert und ergänzt werden. Darüber hinaus gilt es nun, Werkzeuge, Methoden und praxistaugliche Umsetzungen zu erproben, die dann anderen pastoralen Raumen und Akteuren in den unterschiedlichen Feldern zu Verfügung gestellt werden.

„Taufberufung als Referenzgröße zukunftsweisender Bistumsentwicklung“

Ein großer Titel, der diesem Modellprojekt im Rahmen des Zukunftsbildes gegeben wurde.

In der Anlage 1 zum Zukunftsbild unter Kapitel 2.3 c findet sich folgender Projektauftrag: „Die Pastoral der Berufung setzt auf die Taufberufung entlang persönlicher Berufungsgeschichten und auf die Aufmerksamkeit und Wahrnehmung verschiedenster Charismen und Gaben. Wie die Taufberufung als Grundmotiv für religiöses und pastorales Handeln angenommen werden kann, wird in einem weiteren Modellprojekt untersucht. Dieses Projekt wird wissenschaftlich evaluiert durch das Zentrum für angewandte Pastoralforschung, Bochum.“

Seit knapp zwei Jahren nun beschäftigt sich eine Gruppe von Pastoralarbeiterinnen und –arbeitern mit diesem Projektauftrag, begleitet und unterstützt durch das Zentrum für angewandte Pastoralforschung (ZAP) in Bochum.

Hat ehrenamtliches Engagement etwas mit dem persönlichen Glauben zu tun?

Die Annahme, die der Arbeit der Projektgruppe zugrunde liegt ist die, dass es in einem Pastoralen Raum vielfältige Motive und Formen des persönlichen Engagements gibt, die aber bei vielen Menschen - auch bei getauften Menschen und Christen – häufig nicht im Zusammenhang gesehen werden mit dem Glaubens- und Gemeindeleben des Einzelnen und der Kirche. Um für diese Annahme Belege oder aber Widerspruch zu finden, hat die Projektgruppe begonnen, das Thema Taufberufung entlang von persönlichen „Berufungsgeschichten“ zu erkunden. Leitend waren hierbei u.a. die Frage nach einer Glaubensrelevanz im Alltagsleben von getauften Menschen, die Frage nach der Verknüpfung von Lebenseinstellungen und Alltagshandeln mit einem persönlichen Glaubensmotiv oder auch die Frage nach Themen mit Blick auf Erfahrungen von Ermutigung, Unterstützung oder Vernetzung.

In einer Erhebungsphase wurden 11 leitfragengestützte Interviews durchgeführt. Eine durch das ZAP beauftragte Soziologin suchte in enger Abstimmung mit der Projektgruppe des Bistums Menschen zum Interview auf, um das Thema Taufberufung entlang von persönlichen „Berufungsgeschichten“ zu erkunden. Bei den Interviewten handelte es sich um Personen unterschiedlichen Alters und Geschlechts, aus unterschiedlichen sozialen Milieus, in unterschiedlichem Umfang ehrenamtlich engagiert und, um ein möglichst breites Spektrum von Glaubensvorstellungen und möglicherweise damit verknüpftem Alltagshandeln abzubilden, wurden neben katholisch sozialisierten Personen bewusst Menschen befragt, die einen freikirchlichen oder muslimischen Hintergrund bzw. keinen Bezug zur Kirche und/oder Religion haben.

Diese Phase wurde im Herbst 2015 abgeschlossen, die qualitativen Interviews wurden ausgewertet und haben spannende und herausfordernde Ergebnisse und Erkenntnisse zu Tage gefördert.

Taufberufung – was ist das?

Eine bedeutsame Erkenntnis besteht darin, dass es sich bei dem Begriff der „Taufberufung“ für die meisten Interviewten um einen äußerst sperrigen Begriff handelt. Zugänge sowohl zum Begriff der „Berufung“, wie auch zu der Idee, die eigene Taufe als eine Berufung zu etwas zu verstehen, fallen subjektiv schwer. Ein Zusammenhang zwischen je eigener Lebens- und Glaubenspraxis wird durch die Interviewten kaum hergestellt.

Die Begriffe der „Berufung“ und der „Taufe“ werden als Sprache der Kirche von den Interviewten nicht aufgegriffen und haben für die eigene Lebensgestaltung kaum eine Relevanz. Selbst die Interviewpartner mit religiöser, kirchlicher und gemeindlicher Prägung machen hier keine Ausnahme und sind wenig in der Lage, eigene (Lebens- und Alltags-) Erfahrungen geistlich zu deuten – so eine weitere Erkenntnis der Interviews.

Nichtsdestotrotz lässt sich durch die Auswertung der Gespräche nachweisen, dass es bei den meisten der Interviewten aufgrund früherer religiöser Sozialisierungsgeschichten sehr wohl Anknüpfungspunkte für religiöse Deutemuster gibt. Durch die Ermutigung auf das eigene Leben zurückzuschauen bietet sich hier die Möglichkeit, persönliche Beweggründe und den Antrieb für das eigene Engagement zu reflektieren. In diesem Erzählraum kann Bewusstwerdung des eigenen Lebens im Hinblick auf Biografie, Berufung und das eigene Mensch-sein gelingen.

Begriffe bleiben abstrakt – Engagement und Erleben der Menschen werden durch Deutung zu einer Glaubenserfahrung

Im Umgang mit Begrifflichkeiten und im Versuch, neue Zugänge zum Berufungsverständnis der Menschen zu entwickeln scheint es an der Zeit, Abschied zu nehmen von vermeintlich begrifflichen Selbstverständlichkeiten. Zum anderen wird es notwendig sein, christliches Deutungsangebot in der Welt von heute zu leben und es in Kontakt zu bringen mit einer Lebens-, Alltags- und Deutekompetenz der Menschen selbst.

Zudem zeigen sich hier deutliche Spuren hin zu anderen großen Themen der Bistumsentwicklung wie eben der Berufungsthematik, aber auch z.B. der Frage nach Ehrenamtlichem Engagement.

Im weiteren Projektverlauf wird es um die Herausforderungen für die pastorale Praxis gehen, die sich aus den formulierten Erkenntnissen ergeben: weitere Durchdringung des Berufungsbegriffs, Überprüfung und Weiterentwicklung von kirchlicher und religiöser Sprache und Deutung, Entwicklung und Einführung von Einsatzinstrumenten und Methoden zur Potenzialförderung für Gemeinden, Verbände, Kirch-Orte.